Zuerst die Tänzer vom Bolschoi, dann die Veteranen
Pit Buehler hat russische Veteranen in Moskau fotografiert, NZZ, Zug Kultur 13.07.2015 | Text; Susanne Holz, Bilder; PIt Buehler
Zug – Pit Bühler aus Baar arbeitet seit einigen Jahren freischaffend als Fotograf. Die Leidenschaft fürs Fotografieren führte den studierten Betriebsökonomen bereits in mehr als 90 Länder. Das besondere Interesse des 42-Jährigen: die Porträtfotografie. Das jüngste Ziel im Ausland war: Moskau.
Wiederbelebte Tradition
In die russische Hauptstadt reiste der Baarer Anfang Mai, um die Tänzerinnen und Tänzer des Bolschoi-Theaters zu fotografieren. Pit Bühler war jedoch klar, dass am 9. Mai der sogenannte Victory- Day gefeiert wird: «Zufällig war ich schon 2014 um diese Zeit in Moskau. Eine gute Bekannte erzählte mir, dass die Victory- Parade vor der Öffnung der wichtigste Feiertag für Russland war. Nach dem Fall der Mauer und der Aufteilung der Sowjetunion habe man auf die Tradition verzichtet.»
Putin hat den Victory-Day nun wieder aufleben lassen. Das stösst auf Kritik. Der russische Historiker Alexej Miller stellt fest: «In den 90er-Jahren galten den Russen Imperien pauschal als Inbegriff des Bösen, heute wird umgekehrt der russische imperiale Staat sakralisiert.» Pit Bühler berichtet von seinem Eindruck am 9. Mai in Moskau: «Die Parade habe ich nicht gesehen, ich war als Fotograf auch nur fürs Bolschoi-Theater akkreditiert. Dorthin aber kamen viele Veteranen nach der Parade zum Feiern. Ich habe sie spontan angesprochen ich habe es genossen, diese Menschen zu porträtieren. Sie waren freundlich und offen.»
Wach und gescheit
Der Fotograf war fasziniert: «Überall in den Strassen wurden alte Lieder gesungen, Geschichten erzählt die Menschen waren in Festlaune.» Natürlich sei man bei dieser Gelegenheit auch «Hardcore-Militärs» begegnet – «da muss man sich nichts vormachen». Patriotisch sei die Stimmung gewesen, aber auch fröhlich. «Es wurde gelacht, es wurden Scherze gemacht.» Er habe Veteranen der Jahrgänge 1925 bis 1946 fotografiert. «In gewissen Regionen gehst du zum Militär, weil es nichts anderes gibt.»
Pit Bühler hat einzelne Veteranen mit ernstem Blick fotografiert, Veteranen mit ihren Enkelkindern oder auch Mann und Frau, mit Medaillen geschmückt, die zusammen auf einer Bank sitzen und sich anlächeln. «Es war interessant, sich mit diesen Menschen zu unterhalten, sie waren viel mehr wach und gescheit als engstirnig und von gestern.»



