African Vogue – die Ästhetik der Bilder
Die Leica S-Klasse ist das Beste, was man bekommen kann | Leica Courrier, November 2014
Pit Buehler arbeitete früher im Finanzwesen, jetzt ist er Experte für Porträtfotografie. Mit einer Leica S ist er durch den Süden Äthiopiens gereist und hat eindrückliche Bilder nachhause gebracht. Zu sehen sind sie in der Leica Galerie.

Alles begann mit einer Reise. Dem Amazonas entlang, 2000 Kilometer. Mit der Fotokamera hielt er seine Eindrücke fest, so wie er das immer tat, weil er dokumentieren wollte, wen er wo und wann getroffen hatte. Damals war Pit Buehler noch Hedgefonds-Analyst, beriet reiche Familien bei Investitionen und fotografierte nur in seiner Freizeit. Ein Student der Kunstakademie in Leipzig sah die Bilder vom Amazonas und zeigte sie seinem Professor Helfried Strauss. Der war davon derart angetan, dass er den Schweizer «Hobby-Fotografen » in seine «Meisterschülerklasse Fotografie » einlud. Und Pit Buehler zögerte nicht lange, weil er spürte, «dass ich das jetzt tun muss.» 2008 war das, kurz vor dem Ausbruch der grossen Krise der Finanzbranche, die er als Analyst schon immer «kritisch hinterfragt hatte», wie er sagt.

≪Die Asthetik der Bilder
Seither ist der Betriebsökonom ein Profi Fotograf, dem Porträts von Menschen und die «Ästhetik der Bilder» besonders am Herzen liegen. Es gehe ihm nicht um investigativen Foto-Journalismus, präzisiert er, vielmehr interessierten ihn einzelne Menschen und die Frage, wie er deren Persönlichkeit und Ausstrahlung in eine perfekte Bildsprache umsetzen könne. «Ich bin neugierig auf Menschen und ihre Geschichte. Mein Ziel ist es jedes Mal, die Menschen dazu zu bringen, dass sie sich selbst sind auf dem Bild.» Der 42-jährige Innerschweizer war schnell erfolgreich, bildete sich weiter und gewann mehrere internationale Auszeichnungen. Heute arbeitet er für diverse Magazine, für Firmen, Privatpersonen und Ausstellungen. Fragt man ihn nach besonders eindrücklichen Bildern und Erlebnissen, nennt er die Porträtserie über den Rohstoffhändler Marc Rich, den er 2013 kurz vor seinem Tod fotografierte. Eine «sehr intensive Begegnung» sei das gewesen. Andererseits erinnert er sich an ein Bild zweier spielender Strassenkinder in einem Fluss in Bangladesch. «Das Wasser war voller Müll und toter Tiere, es hat bestialisch gestunken, trotzdem strahlten die beiden eine kindliche Lebensfreude aus», sagt Pit Buehler.

Afrikanisches Abenteuer
Und nun war er wieder auf einer aufregenden Reise: Im Oktober 2013 unternahm er eine 15-tägige Expedition ins südliche Äthiopien, genauer ins Grenzgebiet zum Südsudan und Kenia. Dabei entstanden rund 400 Porträts von afrikanischen Stammesmitgliedern acht verschiedener Volksgruppen. Sein Team bestand aus einer Fotoassistentin, einem Fahrer, der gleichzeitig auch Koch war, sowie aus verschiedenen lokalen Stammesführern, Übersetzern und-bisweilen – bewaffneten Führern und Eskorten. Einige Stämme konnten nur mit der Bewilligung der äthiopischen Regierung besucht  werden. Die Verhandlungen, bemerkt Buehler, seien mitunter sehr lang und anstrengend gewesen, an mehrmalige Geld-Nachforderungen müsse man sich gewöhnen. Das Resultat nennt Olivier Bachmann, Direktor der Leica Camera AG, «aussergewöhnlich gut.» Leica stellte dem Fotografen für das Projekt «African Vogue» die digitale Mittelformatkamera Leica S zur Verfügung. Als Objektiv verwendete Buehler ausschliesslich das Apo-Makro-Summarit-S 2,5/120 CS. Sämtliche Bilder nahm er bei natürlichem Tageslicht und ohne Stativ auf, mit ISO 160, Blende F2.5 bis 5.6 und einer Verschlusszeit von 1 /60 bis 1/160. Die S-Klasse, bemerkt Buehler, sei ja eigentlich eher fürs Studio mit Stativ und sauberem Blitzlicht geeignet. Habe man sich allerdings an deren Handling und das freihändige Fotografieren mit ihr gewöhnt und immer wieder die optimalen Lichtverhältnisse abgewartet («höchstens drei Stunden pro Tag»), dann ergäben sich wunderschöne Bilder: «Die Bildqualität ist ausserordentlich gut, ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Die Leica S-Klasse ist im Mittelformat eigentlich das Beste, was man bekommen kann.» Als Fotograf lässt es Pit Buehler nun vorderhand ein bisschen ruhiger angehen, es seien keine grösseren Projekte geplant. Das hat einen ganz einfachen Grund: «Ich werde bald zum zweiten Mal Vater, da verschieben sich die Prioritäten.» Allzu gewagt ist die Prognose wohl trotzdem nicht: Der Fotograf wird irgendwann wieder zu einer neuen Reise aufbrechen.

Pit Buehlers Afrika-Porträts sind noch bis zum 30.11.2014 in der Leica Galerie in Nidau zu http://blackocean.ch

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