Archetypen und Tronies – Ikonen im Zusammenspiel
Als Quelle der Inspiration dienen Pit Buehler die Porträtgemälde der Alten Meister wie Caravaggio, Rembrandt und Velázquez sowie die bizarren, vielschichtigen Charaktere aus Hieronymus Boschs Garten der Lüste. Seine Porträts funktionieren wie moderne Tronies: ausdrucksstarke Charakterstudien von absoluter Autonomie, von denen jedes einzelne Bild eine eigene, narrative Dichte besitzt und für sich allein eine komplexe Geschichte erzählen kann. Erst in der gezielten Gegenüberstellung und im Zusammenspiel dieser ikonisierten Archetypen entfaltet sich jedoch das volle, vielschichtige Narrativ. Buehler bringt die Figuren in neue, unerwartete Dialoge – im Widerstreit, in Resonanz oder in stiller Korrespondenz miteinander. Diese Konstellationen sind keine blosse Addition von Bildern, sondern eine ikonische Verdichtung, in der sich die Charakterstudien spiegeln, überlagern und miteinander verschmelzen. So transformiert Buehler den barocken Gedanken in die Gegenwart: Aus autonomen Gesichtern entsteht ein visuelles Geflecht, das die Vielfalt menschlicher Rollen in einen übergeordneten, universellen Zusammenhang stellt.
